Schön, dass Du da bist =^..^=
Kerstin's ... ganz einfach!

Donnerstag, den 12.11.2015

 

 

 

 

 

 


Meine Nacht verbringe ich größtenteils schlafend, bin allerdings gestern Abend auch mit einer Schlaftablette ins Bett gegangen. Also besser gesagt, ich habe eine eingenommen. Um 7:00 finde ich zusätzlich zu meiner bekannten Tablette noch eine andere und ich erkundige mich, um was es sich bei dieser kleinen weissen Schönheit handelt. Meine Frage wird auch umgehend so beantwortet, dass es sich dabei um Amantadin 100 mg handelt und das soll dazu dienen, dass ich nicht so hoch mit dem L-Dopa dosieren muss. Damit geht man nun also wieder auf 4 x 125 mg zurück und beobachtet, ob meine Beweglichkeit so bleibt oder ob sie sich wieder verschlechtert. Ok, ich bin allerdings sehr skeptisch bei dieser Geschichte und beobachte mich nun besonders sorgfältig. Glücklicherweise habe ich heute Vormittag keine Anwendungen und da die Sonne scheint, gehe ich an der See ein Weilchen in aller Ruhe spazieren. Durchgepustet lasse ich mich vom Fahrstuhl in die 3. Etage bringen, entledige mich meiner Klamotten und meines Blutdruckes, lege meine Feinmotorik ab und frage mich, warum ich plötzlich so duselig bin und mit dem Kugelschreiber mein Bewegungsprotokoll nicht ausfüllen kann. Irgendwas läuft hier nicht richtig. Auch habe ich so ein dumpfes Gefühl in den Ohren und meine Augen lassen mich in dem Glauben, dass mir etwas schwindelig ist. Ich setze mich an den Tisch und der Schwindel wird etwas weniger. Allerdings sind meine Hände deutlich zittriger als sonst und die Arme fühlen sich auch ein wenig schwerer an. Das Mittagessen wird gebracht, ich nehme mir das Besteck zur Hand und bin etwas erschrocken über meine ungelenken Bewegungen. Das ging aber schonmal deutlich besser! Jetzt bekomme ich den Reis kaum noch auf die Gabel geschoben und das Fleisch zerpflücke ich mehr, als dass ich es mit dem Messer schneide. Bin etwas enttäuscht über meinen Zustand und bringe es natürlich sofort mit dem Amantadin in Verbindung. Ich esse heute ausnahmsweise mal nicht alles auf, weil es mir einfach zu doof ist, mit den Reiskörnern Fangen zu spielen. Auch nach dem Essen fühlen sich meine Arme schwer und bleiern an und mein Rücken möchte sich eher lang machen, anstatt in 15 Minuten an der gemeinsamen Ergo- und Logopädie teilzunehmen. Da werden wir dann bestimmt wieder mit fürchterlich falsch gesungenen Liedern und Luftballontänzen den armen Patienten auf der Intensivstation den Blutdruck in die Höhe treiben.
Um 15:00 komme ich zurück auf mein Zimmer. Ich bin müde, könnte mich jetzt hinlegen und einfach eine Runde dösen. Das verkneife ich mir allerdings, da ich ja lieber in der kommenden Nacht meinen Erholungsschlaf genießen möchte. Dafür hat sich mein Schwindel, im Gegensatz zu mir, inzwischen ein wenig gelegt und obwohl es hier recht warm im Zimmer ist, sind meine Fingerspitzen völlig kalt und gefühllos. Ich sehe von hier oben etwas wehmütig auf die Ostsee und zähle im Gedanken schon die Nächte, bis ich wieder im eigenen Bett schlafen kann. Heute ist erst Donnerstag, bis Mittwoch kommender Woche ist es noch ewig lange hin. Auch bin ich arg gespannt, ob ich mich morgen nach der Einnahme der Amantadin auch so duselig fühle wie heute oder ob es nur einfach mal so ein Zwischentief war, das womöglich mit der Tablette gar nichts zu tun hatte. Ich werde es wohl morgen sehen, bin ja schließlich dabei, wenn sich das Amantadin in mir ausbreitet und seine Wirkung entfaltet.
In einer knappen Stunde kann ich mich schon wieder auf den Weg zur Physiotherapie machen, um mich dort liegender Weise einer weiteren Craniosacral Sitzung hinzugeben. Bis dahin sehe ich zu wie die Sonne auf den Horizont trifft und sie dann ein wenig später mit ihm verschmelzend im Dunkel der Nacht verschwindet.
 
 
 
 
 
 
 

 

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